Warum gibt es dieses Kinderlieder Album?
(von Michael Doering)
Neue Kinderlieder-CDs gehören eigentlich in den Bereich "Dinge, die die Welt nicht braucht" -
denn was es diesbezüglich bereits auf dem Markt gibt, ist durchaus als üppig zu bezeichnen.
Allerdings gilt das eher für die Quantität als die Qualität der Darbietungen.
Als Musiker waren mir diese typischen Aufnahmen immer ein Gräuel - bis ich selber Kinder hatte und zwangsweise
mit ebensolchen Aufnahmen konfrontiert wurde. Das heißt: Zwangsbeschallt. Auch wenn ich mich nach Kräften bemühte,
Schaden durch fürchterliche Töne von meinen Kindern fernzuhalten, blieb es doch nicht aus,
dass genau diese CDs Einzug in die Kinderzimmer hielten - als Geschenke von Freunden und Verwandten und auch als
offizielle oder halboffizielle Empfehlungen von Seiten des Kindergartens oder der Schule.
Glücklicherweise nervten diese einschlägigen CDs auch meine Töchter selbst so sehr, dass nach kurzer Zeit mit den
Beatles, Abba & Co stes nach kurzer Zeit wieder vertraute Töne aus unseren Kinderzimmern schallten.
Doch was ist eigentlich so schlimm an den üblichen Kinder-CDs? Verschiedenes!
Man sollte die Produktionen dieses Genres jedoch nicht über einen Kamm scheren - dazu sind sie einfach zu unterschiedlich.
Wer sich für das Thema interessiert, findet im Kinderlieder Blog
meinen ganz subjektiven Versuch einer Kategorisierung des üblichen Angebotes.
Sicherlich werden Sie hier die ein oder andere Musik-Produktion aus dem CD Schrank (oder in unserem Fall: CD-Haufens)
Ihrer Kinder wiedererkennen! Aber was hat mich nun bewogen, schließlich selber ein Kinderlieder-Album zu produzieren?
Die ehrliche Antwort: Ich wäre noch vor wenigen Jahren niemals auf die Idee gekommen, mich ernsthaft mit Kinderliedern
zu beschäftigen. Von meinem beruflichen Werdegang her würde ich mich als Rockmusiker bezeichnen, vielleicht auch als
Popmusiker - doch wie dem auch sei, die Welten des Rock'n'Roll und des traditionellen deutschsprachigen Liedgutes
liegen doch recht weit auseinander. Doch nachdem ich im Jahr 2006 ein eigenes
deutsch-englisches Kindermusical realisieren wollte und ich mich hierzu hilfesuchend an meine beiden britischen
Kollegen Ian Watts und Rick Benbow wandte, war es 2 Jahre später eben dieser Ian Watts -
inzwischen selber zweifacher Vater - , der mich fragte, ob ich mit ihm zusammen ein Album mit traditionellen
englischen Kinderliedern produzieren würde. Es war von Anfang an klar, dass das Album anders klingen müsste als alles
bisher gehörte in diesem Bereich, um überhaupt eine Existenzberechtigung zu haben.
Ian hatte die Idee, all seine Musikerkollegen und Freunde aus dem Umkreis von Nottingham bis London einzuladen,
bei den Aufnahmen mitzuwirken und auf diese Weise enstand ein enorm breites musikalisches Spektrum von einfachem
Rock'n'Roll bis hin zu extrem aufwändigen Orchestrierungen und Broadway-mäßigen Arrangements.
Der produktionstechnische Aufwand stand in keinerlei Verhältnis zum potentiellen Ertrag, doch mit jedem neuen Titel
wuchs das Bewußtsein, dass hier etwas ganz besonderes im Entstehen begriffen war. Glücklicherweise wissen die
englischen Eltern die außergewöhnliche Qualität der Nursery Rhyme Collection absolut zu schätzen, so dass sich das
Doppelalbum bereits kurz nach der Veröffentlichung auf einem der vorderen Plätze in den Amazon Charts wiederfand
und seitdem dort verharrt. Auch in Deutschland rangiert das Album seitdem im vorderen Bereich der
englischsprachigen Kindermedien. Nachdem wir nun also am Beispiel der traditionellen englischen Songs erlebt haben,
was qualitativ machbar ist, war es einfach ein innerer Zwang für mich, zu beweisen, dass traditionelle deutsche Lieder
ebenso gut klingen können. Bei den Aufnahmen habe ich es als äußerst positiv empfunden, dass meine englischen Kollegen
die meisten der Lieder nicht kannten. Auf diese Weise konnten sie völlig unbefangen an die Aufnahmen gehen,
auch an diejenigen Lieder, die ich als Deutscher schon in den armseligsten Versionen hören musste.
Ein absolutes Highlight für mich war dabei die Arbeit des fabelhaften Irish Folk Musikers Mat Williams,
der mich bereits bei den englischen Nursery Rhymes mit seinem Fiddle-Spiel aber auch mit seinen wundervollen Mandolinen-
und Banjoparts beeindruckt hatte. So hat er auch einige Titel der Neuen Liedersammlung mit seinem zauberhaften
Fiddle-Spiel bereichert. Eine weitere große Freude für mich war die Mitwirkung von Peter Kalff. Bei meiner langjährigen
Band "The Silver Beatles" hat er viele Jahre Schlagzeug gespielt und derzeit ist er als Drummer mit einer
herausragenden
Whitesnake Coverband unterwegs - ebenso gut wie am Schlagzeug ist er aber origineller Weise an Trompeten und
Hörnern jedweder Bauart. (Anspieltipp im Player oben: Wenn ich ein Vöglein wär)
Damit das Album kein reines "Kopfprodukt" wird - also etwas, das Erwachsene für Kinder
produzieren ohne wirklich zu ergründen, was den Kindern eigentlich gefällt - haben wir von Beginn an
viele Kinder in die Entstehung einbezogen. Daher waren neben den vielen erwachsenen Musikern und Sängern
aus England und Deutschland insgesamt acht Kinder zwischen 8 und 11 Jahren an den Gesangsaufnahmen beteiligt.
Hierbei war es mir wichtig, die Kinder authentisch klingen zu lassen. Man hört, wie die Kinder die verschiedenen Lieder empfinden
und singen, es gibt keine einstudierte Gesangsakrobatik. Mein Gesamtfazit nach Abschluss der Aufnahmen:
Nach Jahrzehnten der krassen Ablehnung habe ich nunmehr ganz persönlich meinen Frieden mit dem traditionellen
deutschen Liedgut gefunden und ich hoffe, dass noch viele Kinder und Eltern ebenso viel Spaß mit dieser ursprünglichen
Musik haben werden wie alle Beteiligten!
Und ganz zum Schluss...
Wer ist eigentlich Mike Wilbury?
|